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Software-Stand und Steuerungsversion bei Gebrauchtmaschinen prüfen

Software-Stand und Steuerungsversion bei Gebrauchtmaschinen prüfen

Software-Stand und Steuerungsversion bei Gebrauchtmaschinen prüfen

Bei der Besichtigung einer gebrauchten Werkzeugmaschine richtet sich der Blick meist zuerst auf Mechanik, Spindel und Führungen. Die Steuerung wird dabei oft nur kurz angeschaltet und als „läuft“ abgehakt, obwohl gerade hier wichtige Informationen für die spätere Nutzung stecken.

Softwarestand, freigeschaltete Optionen und die vorhandenen Datensicherungen entscheiden mit darüber, wie reibungslos Sie die Maschine nach dem Transport wieder in Betrieb nehmen können. Wer diese Punkte erst nach der Anlieferung klärt, verliert wertvolle Zeit.

Warum die Steuerung mehr ist als ein Bildschirm

Eine CNC- oder SPS-Steuerung ist kein reines Anzeigegerät, sondern enthält Betriebssystem, Maschinenparameter, gespeicherte Programme und häufig kundenspezifische Anpassungen, die über Jahre gewachsen sind. Diese Daten gehen bei einem Steuerungstausch oder einem Rücksetzen auf Werkseinstellung verloren, wenn sie vorher nicht gesichert wurden.

Für Sie als Käufer bedeutet das: Die Steuerung transportiert einen Teil des Maschinenwissens, das der bisherige Betreiber sich erarbeitet hat. Fehlt dieses Wissen, müssen Sie es selbst neu aufbauen, was Zeit kostet, besonders wenn die Bedienungsanleitung unvollständig ist.

Fragen Sie deshalb aktiv nach dem Zustand der Steuerungssoftware, statt sich mit einem kurzen Probelauf am Bildschirm zufriedenzugeben.

Gerade bei einem Kauf über größere Entfernung, etwa aus Polen, lohnt sich ein gezielter Blick in die Menüstruktur der Steuerung, statt sie nur kurz testweise einzuschalten. So bekommen Sie ein Gefühl dafür, wie viel eigenständiges Wissen in dieser konkreten Maschine steckt.

Versionsstand und Herstellersupport klären

Lassen Sie sich bei der Besichtigung die Softwareversion der Steuerung anzeigen, meist über ein Diagnose- oder Info-Menü, und notieren Sie diese. Bei bekannten Steuerungsfamilien wie in unserem Vergleich zu Siemens, Fanuc und Heidenhain beschrieben, unterscheidet sich der Supportzeitraum je nach Baureihe zum Teil erheblich.

Fragen Sie beim Hersteller oder einer Fachwerkstatt nach, ob für diese Version noch Updates, Ersatzteile für die Steuerungshardware und technischer Support angeboten werden. Bei sehr alten Ständen kann es sein, dass im Fehlerfall nur noch gebrauchte Ersatzbaugruppen zur Verfügung stehen.

Ein alter Softwarestand ist kein automatisches Ausschlusskriterium, sollte aber in die Bewertung des Gesamtzustands und in die Preisverhandlung einfließen.

Notieren Sie den Versionsstand schriftlich, mit Datum und Seriennummer der Steuerung, damit Sie bei mehreren Besichtigungen unterschiedlicher Maschinen den Überblick behalten und die Angaben später mit einer Fachwerkstatt abgleichen können.

Freigeschaltete Optionen und Lizenzen prüfen

Viele Steuerungen arbeiten mit softwareseitig freigeschalteten Optionen, etwa für zusätzliche Achsen, bestimmte Zyklen, Simulationsfunktionen oder erweiterte Programmierhilfen. Diese Optionen sind an die konkrete Steuerungseinheit gebunden und lassen sich nicht ohne Weiteres auf eine andere Steuerung übertragen.

Lassen Sie sich im Options- oder Lizenzmenü zeigen, welche Funktionen tatsächlich freigeschaltet sind, und gleichen Sie das mit dem ab, was im Inserat oder in der mündlichen Beschreibung angepriesen wurde. Eine im Verkaufsgespräch erwähnte Funktion, die softwareseitig gar nicht aktiv ist, ist ein klarer Punkt für Rückfragen.

Klären Sie außerdem, ob eine spätere Nachrüstung fehlender Optionen beim Hersteller grundsätzlich möglich ist und ob dafür weiterhin Lizenzen ausgegeben werden.

Testen Sie eine als freigeschaltet angezeigte Funktion nach Möglichkeit auch tatsächlich, etwa mit einem kurzen Beispielprogramm, statt sich allein auf die Anzeige im Optionsmenü zu verlassen. Manche Freischaltungen erweisen sich erst im Betrieb als unvollständig.

Backup der NC-Programme und Parametersätze

Fragen Sie gezielt danach, ob eine aktuelle Datensicherung der Maschinenparameter, der PLC-Programme und der gespeicherten NC-Programme existiert, idealerweise auf einem externen Datenträger und nicht nur auf der Steuerung selbst. Ein Parameterverlust kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Maschine nach einem Neustart oder einem Batteriewechsel nicht mehr korrekt anläuft.

Bitten Sie darum, dieses Backup im Rahmen der Übergabe mitzubekommen, gemeinsam mit weiteren Bedienungsanleitungen und Schaltplänen. Ohne diese Unterlagen ist eine spätere Fehlersuche deutlich aufwendiger.

Prüfen Sie außerdem, ob die Pufferbatterie der Steuerung erkennbar frisch ist oder wann sie zuletzt gewechselt wurde, da ein Batterieausfall ohne vorhandenes Backup zum Verlust wichtiger Einstellungen führen kann.

Ein Backup, das lediglich existiert, aber nie auf Vollständigkeit geprüft wurde, gibt nur trügerische Sicherheit. Lassen Sie sich nach Möglichkeit zeigen, dass sich daraus tatsächlich ein Parametersatz wiederherstellen lässt, statt sich auf die reine Existenz einer Sicherungsdatei zu verlassen.

Zugänge, Passwörter und Bedienerebenen

Viele Steuerungen unterscheiden zwischen Bediener-, Einrichter- und Servicezugang, jeweils mit eigenen Passwörtern oder Codes. Lassen Sie sich bei der Übergabe alle relevanten Zugangsdaten aushändigen, nicht nur den Bedienerzugang für den normalen Betrieb.

Ohne den Einrichterzugang können Sie später weder Werkzeugkorrekturen anpassen noch Nullpunkte neu setzen, was den täglichen Betrieb erheblich einschränkt. Fragen Sie deshalb konkret, ob der Verkäufer sämtliche Zugangsebenen besitzt oder ob bestimmte Codes beim ursprünglichen Hersteller oder Integrator liegen.

Klären Sie diesen Punkt schriftlich im Kaufvertrag, damit die Übergabe vollständiger Zugänge nicht erst nach der Zahlung zum Streitthema wird.

Prüfen Sie zusätzlich, ob die Steuerung über eine Netzwerkschnittstelle oder eine Fernwartungsfunktion verfügt und wer darauf Zugriff hat. Ein vom bisherigen Integrator eingerichteter Fernzugang sollte nach der Übernahme entweder deaktiviert oder auf Sie als neuen Betreiber umgestellt werden.

Werkzeugwechsler, Zyklen und individuelle Anpassungen

Bei Bearbeitungszentren mit automatischem Werkzeugwechsler lohnt sich ein Blick in die hinterlegte Werkzeugtabelle und die Wechsellogik, da hier häufig kundenspezifische Anpassungen vorgenommen wurden. Weitere Prüfpunkte dazu finden Sie im Artikel zum Werkzeugwechsler bei gebrauchten CNC-Maschinen.

Auch individuell programmierte Zyklen, Makros oder angepasste Bedienoberflächen gehören zur „Software“ der Maschine im weiteren Sinn. Lassen Sie sich zeigen, welche dieser Anpassungen vorhanden sind und ob eine Dokumentation dazu existiert.

Ohne diese Information stehen Sie nach der Übernahme unter Umständen vor einer Maschine, die zwar mechanisch einwandfrei läuft, deren Programmierlogik aber niemand mehr nachvollziehen kann.

Lassen Sie sich, wenn möglich, vom bisherigen Bediener kurz zeigen, wie zentrale, selbst programmierte Zyklen aufgerufen werden. Dieses praktische Wissen lässt sich aus einer reinen Dateiliste auf der Steuerung meist nicht rekonstruieren und geht sonst mit dem Verkäufer verloren.

Restrisiko bei sehr alten Steuerungsständen realistisch einschätzen

Bei Steuerungen, deren Softwarestand schon lange keine Updates mehr erhalten hat, sollten Sie das Restrisiko nüchtern einordnen: Ein Ausfall der Steuerungshardware kann bedeuten, dass Ersatz nur noch gebraucht oder gar nicht mehr zu bekommen ist. Das betrifft besonders ältere Steuerungsgenerationen, wie sie teilweise auch bei Maschinen mit Heidenhain-Steuerungen vorkommen.

Das schließt einen Kauf nicht aus, sollte aber offen in die Kalkulation einfließen, etwa durch eine realistische Einschätzung der Restnutzungsdauer und die Überlegung, ob ein Steuerungsretrofit langfristig sinnvoller wäre.

Fragen Sie bei Unsicherheit eine Fachwerkstatt, die auf die jeweilige Steuerungsfamilie spezialisiert ist, um die technische Situation realistisch einschätzen zu lassen, bevor Sie sich endgültig entscheiden.

Setzen Sie den möglichen Aufwand für ein späteres Steuerungsretrofit in Relation zum Gesamtwert der Maschine. Bei mechanisch sehr guter Substanz kann sich eine Modernisierung lohnen, während sie bei einer ohnehin älteren Gesamtmaschine wirtschaftlich oft wenig Sinn ergibt.

Häufige Fragen

Wo finde ich den Softwarestand einer CNC-Steuerung?

In der Regel über ein Diagnose-, Info- oder Systemmenü der Steuerung, das die installierte Softwareversion anzeigt. Bei Unsicherheit hilft ein Blick ins Handbuch oder eine kurze Rückfrage beim Hersteller anhand der Seriennummer.

Sind freigeschaltete Optionen an die Maschine oder an die Steuerung gebunden?

In der Regel an die konkrete Steuerungseinheit und ihre Seriennummer, nicht an die Maschine selbst. Bei einem späteren Steuerungstausch müssen freigeschaltete Optionen deshalb oft neu erworben werden.

Was passiert, wenn kein Backup der Parameter existiert?

Bei einem Ausfall der Pufferbatterie oder einem Steuerungsfehler können Maschinenparameter und gespeicherte Programme verloren gehen. Die Maschine lässt sich dann meist nur mit erheblichem Zeit- und Fachaufwand wieder korrekt einrichten.

Sollte ich auf einen Update der Steuerungssoftware bestehen?

Ein Update ist nicht immer möglich oder sinnvoll, besonders wenn eingespielte Zyklen und Parameter davon abhängen. Wichtiger ist, den aktuellen Stand zu kennen und die Konsequenzen für Support und Ersatzteile realistisch einzuschätzen.

Wer sollte den Einrichterzugang zur Steuerung besitzen?

Nach der Übergabe sollten Sie als Käufer alle für den Betrieb notwendigen Zugangsebenen erhalten, insbesondere den Einrichterzugang. Klären Sie das schriftlich, bevor die Zahlung erfolgt.

Kann eine fehlende Dokumentation zu Zyklen und Makros nachträglich beschafft werden?

Das hängt vom Hersteller und vom Verkäufer ab und ist nicht garantiert. Fragen Sie deshalb bereits bei der Besichtigung gezielt danach, statt sich erst nach dem Kauf darum zu kümmern.